2018

4. Mai, Neustadt an der Orla

Wieder einmal war zum Stammtisch des Arbeitskreises nach Neustadt an der Orla eingeladen. Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Möglichkeit, "die Sonderausstellung "200 Jahre Neustädter Kreisbote. Presse und Öffentlichkeit im Zeitalter der Industrialisierung" im Museum für Stadtgeschichte anzusehen. Der Neustädter Kreisbote, der im Januar 1818 zum ersten Mal erschien und sich vom Wochenblatt hin zur Tageszeitung entwickelte, ist eine der wichtigsten Quellen zur Stadtgeschichte. Weil er unzählige Anhaltspunkte zum Leben der Bewohner der Stadt und des Neustädter Kreises bietet, stellt er auch für uns Familienforscher eine hervorragende Quelle dar.

Im Anschluss trafen wir uns im Refektorium in der Schlossgasse. Zu Beginn berichteten wir von Neuigkeiten aus dem Verein und dem Arbeitskreis, blickten auf die Jahreshauptversammlung in Wittstock zurück und deuteten die Mailinglisten-Problematik an. Karina Falk stellte kurz das AMF-Archiv in Leipzig vor, dessen Leiterin sie ist, und warb um Mitarbeit bei der Bearbeitung des Nachlasses von Manfred Kunath, einem weithin bekannten und geachteten Forscher aus unserem Arbeitsgebiet, der leider viel zu früh verstarb und seine Unterlagen dem AMF-Archiv vermacht hatte.
Dann gab es eine Vorstellungsrunde, da doch einige neue Mitglieder und Interessenten den Weg zu uns gefunden hatten. Hier waren amüsante Anekdoten zu hören, wie manch einer überhaupt zur Familienforschung gekommen ist. Beim Vorstellen der Suchorte und -Namen gab es doch schon recht viele Anknüpfungspunkte untereinander, die dann im Anschluss in lockerem Austausch vertieft wurden.

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Erfahrene und neue AK-Teilnehmer beim "Datenvergleich" (Foto: Karina Falk)


22. September, Pößneck

"Warum auswandern? Thüringen ist so schön"

Zu seinem Jahrestreffen hatte der Arbeitskreis Saale-Orla am 22. September 2018 nach Pößneck eingeladen. Die interessante Geschichte der ostthüringischen Kleinstadt im heutigen Saale-Orla-Kreis ist an vielen Stellen nachvollziehbar, die Erinnerungskultur wird beispielsweise im modern aufbereiteten Museum 642 und dank rühriger Heimatforscher sichtbar gepflegt.

Mit der Themenführung "Alte Grabdenkmale - ein Spiegel der Stadtgeschichte" über den oberen Friedhof begann der Tag. Frau Ritter, bestens informierte Stadtführerin, gelang ein Rundgang, der die Teilnehmenden staunen ließ. Sowohl die Gestaltung des Friedhofes mit alten Baumbeständen und außergewöhnlichen Grabanordnungen, als auch die Vielzahl der gut erhaltenen und künstlerisch ambitionierten Grabanlagen begeisterten uns. Dass Pößneck einst eine reiche Industriestadt der Gründerzeit war, lassen die Familiengräber und -mausoleen erahnen. Vorbildlich sind Bewusstsein und Engagement der Stadt und ihrer Bürger, die Anlagen dauerhaft zu erhalten.

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Im Vortragsprogramm, das sich an die Mittagspause anschloss, wurde deutlich, dass Pößneck mehr zu bieten hat als die beliebten Geleebananen der ortsansässigen Schokoladenfabrik oder Harry-Potter-Bücher, die hier in der größten Schwarz-Weiß-Buchdruckerei Europas unter strengster Geheimhaltung produziert wurden. Pößneck rühmt sich nämlich auch einer Vielzahl prominenter Söhne und Töchter, die als Industrielle, Architekten, Bildhauer und Musiker weit über die Stadtgrenzen hinaus oder gar nach ihrer Auswanderung auf anderen Kontinenten Großes leisteten. Karl-Hermann Röser, Lehrer a. D., Heimatforscher und Goethe-Experte, führte kompetent und unterhaltsam in die Familiengeschichten der Personen und Persönlichkeiten ein.

Besonders willkommen hießen wir den Referenten des zweiten Vortrages Tino Herrmann. Der Forscherkollege vom Arbeitsgemeinschaft Genealogie Thüringen e. V. stellte die Auswandererdatenbank Thüringen der AGT vor. Die Datenbank, die stetig erweitert wird, ging im Frühjahr 2018 online. Sie soll ein weiteres Heilmittel gegen eine typische Familienforscherkrankheit sein, deren Symptome der gebürtige Eichsfelder als massenhaftes Sammeln von Daten beschreibt, die zu Hause abgeheftet oder auf der Festplatte gespeichert werden, wo sie allerdings anderen Familienforschern nichts nützen.

Hunderte (geplante) Auswanderungen können anhand der Auswandererdatenbank schon nachvollzogen werden, auch aus bzw. innerhalb unseres Forschungsgebietes. Denn eine Auswanderung führte nicht zwangsläufig nach Nordamerika, Afrika oder Russland, sondern mitunter auch ins Nachbardorf, das in Zeiten der Kleinstaaterei mitunter schon einem anderen Landesherrn unterstand. Tino Herrmann schätzt, dass über 100000 Bewohner ihre Heimat- bzw. Aufenthaltsorte auf heute thüringischem Gebiet verließen. Warum sie ihrer Heimat den Rücken kehrten, deutete er in seinem Vortrag an. Auf die vielen Möglichkeiten, welche Quellen Licht ins Dunkel bringen können ging er ebenso ein wie auf die Schwierigkeiten, die ihre Auswertung mit sich bringen.

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Um möglichst viele Familiengeschichten der Migrationsbewegungen verschiedener Jahrhunderte recherchierbar zu machen, ist breite Mitarbeit erwünscht. Die Auswertung von Quellen sämtlicher Archiv-Kategorien ist genauso gern gesehen wie das Zuarbeiten einzelner Auswanderungsschicksale, auf die man im Zuge der eigenen Familienforschung stößt. Die AGT nimmt Mithilfe gern in Anspruch, bietet das entsprechende Know-how und eine sehenswerte Plattform, Forschungsergebnisse mit anderen teilen zu können.

Bis in den Abend hinein nutzten die 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Treffens die Gelegenheit zum Kennenlernen neuer Mitglieder und Gäste, zum Austausch von Kontakten und Flohmarktfunden. Erste Ideen für die Treffen im Jahr 2019 wurden aufgenommen und besprochen, so dass einer weiteren regen Zusammenarbeit nichts im Wege steht.

Fotos: Karina Falk